Puja Baum unterer Teil


Allgemein...


Puja oder Pooja ist eine dem Göttlichen gewidmete Zeremonie und bedeutet Anbetung oder Verehrung. Sie ist in ihren vielen verschiedenen Ausformungen im Hinduismus und Buddhismus wichtiger Bestandteile des religiösen Alltags, hat ihre Wurzeln und Verbreitung als Ritual aber in der ganzen Welt.

Wir modernen Europäer haben einen stark unterschiedlichen religiösen Kontext, Einstellungen und (großteils noch) andere Lebensbedingungen als ein Gläubiger Hindu oder Buddhist. Dementsprechend ist es nicht ratsam, traditionell eingebettete religiöse Handlungen oder Zeremonien einfach nachzuempfinden oder gar zu adaptieren.

Ich kann, wenn mir Grundgehalt und Ablauf bekannt sind, problemlos Pujas praktizieren, ohne mit einer streng vorgegebenen Zeremonie und deren Ablauf, Schwingung und Wirkung in Konflikt zu treten, auch wenn die Absicht gerne dieselbe sein darf.

Alles, was man in einem Ritual bewusst denkt, empfindet, ausspricht, tut, hat verstärkt seine Wirkung und kann und wird zu einem zurückfließen. Es soll dementsprechend selbstlos, ehrlich, authentisch, hingabe- und liebevoll sein, dann wird es wirken und Früchte tragen! Das ist wichtig zu wissen!

Ein bei uns erhältliches Puja-Set ist nicht automatisch nur für hinduistische Zeremonien gedacht, selbst wenn es in Indien geschmiedet/produziert wurde. Mit dem Set können wunderbar kleinere und größere Feierlichkeiten der Hingabe, Dankbarkeit und Verehrung wichtiger, wesentlicher Lebensqualitäten und Kräfte durchgeführt werden, um es einmal in westlicher Sprache zu formulieren.

 


Pujas im Hinduismus

In vielen hinduistischen Traditionen gehört die Puja zur täglichen religiösen Praxis. Sie ist aber auch eine häufig genutzte Zeremonie bei religiösen Festen und anderen besonderen Anlässen. Die Rituale dienen der Konzentration des Geistes, der Öffnung des Herzens und der Einheit mit dem Göttlichen. Sie haben auch reinigende Kraft und können heilende Energien anziehen.

Grundsätzlich können Pujas überall stattfinden, im eigenen Haus und Hof ebenso wie in Tempeln oder der Natur. Die religiöse Praxis spielt sich im Hinduismus zu einem großen Teil im Haus ab. Gegenstand der Verehrung ist hier das Göttliche in einer Statue aus Metall oder anderen Materialien oder auch nur aus einem bunten Papierbild. Oft steht im Zentrum des Geschehens nicht die personale Darstellung, sondern ein Emblem, wie z.B. ein Lingam oder ein Dreizack für Shiva. Sehr verbreitet ist auch die Anbetung des Göttlichen in bestimmten Pflanzen, wie zum Beispiel der Tulsi (Indisches Basilikum), oder einfach in einem Krug mit Wasser.

Für Pujas daheim gibt es Hausaltäre (in aller Bandbreite, von einfachst und schlicht bis hin zu prunkvoll und ausladend) und allerhand schöne Utensilien wie Ritualteller, Klingel, Halter für Butterlichter, für Räucherwerk, Schälchen und Tellerchen für zB. Sandelholzpaste bzw. Opfergaben wie Früchte oder Prasad (geopfertes, geweihtes Essen).

Der Ablauf einer traditionell hinduistischen oder buddhistischen Puja ist streng geregelt. Es kann aber je nach Anlass und Tradition in der Länge und Gestaltung variiert werden.

 


… hier ein exemplarischer Ablauf

Fester Bestandteil jeder traditionellen Puja ist das Singen von Bhajans (spirituelle Lieder) und Kirtans (Anrufungen verschiedener Aspekte Gottes) zum Beginn des Rituals und die Wiederholung von bewusst gewählten Mantras während der Zeremonie.

Nach der Einstimmung werden die Chakrapunkte auf der Stirn der Puja-Teilnehmer mit Sandelholzfarben markiert, um das Bewusstsein für die Gegenwart und Kraft der Gottheit oder des Gurus zu öffnen. Mantras der Lobpreisung und Verneigungen dienen dem Aufwecken und Invozieren der Gottheit, die nachfolgenden Respekt und Ehrerweisungen stehen ganz in der indischen Tradition der Gastfreundschaft gegenüber hohem Besuch. Dazu gehören die symbolische Waschung der Füße, der Willkommensgruß und das rituelle Bad, in der Puja meist in Form von Übergießen mit gereinigtem Wasser. Fester Bestandteil jeder Puja sind die Opfergaben. So werden der Gottheit etwa Blumen, Kampfer, Milch, Reis und Prasad dargebracht; eingerahmt von weiteren Mantren der Lobpreisung und Dankbarkeit.

Die Puja schließt meist mit einem Gebet, oft einer traditionellen Lichtzeremonie (Arati) und dem respektvollen Verneigen als Zeichen der Hingabe. Das während der Zeremonie energetisch aufgeladene Prasad wird nach Abschluß des Rituals verteilt.

 


Naturrituale

Es ist dem Geschmack überlassen, ob man für ein Naturritual auch ein tlw. recht edles Pujageschirr verwendet werden muss, wie es zuhause oder in Tempeln schon der Fall ist.

Erfahrene Praktizierende von Naturritualen heben hier gerne und eindeutig Schlichtheit und Natürlichkeit hervor; ein passender, energetisch ansprechender Platz, gerne unter einem Baum, der Altar aus gesammelten Naturmaterialien, die Paraphernalia (Ritualgegenstände wie Steine, Federn, Muscheln, Geweihe, Blumen, Naturfarben) den natürlichen Elementen zugeordnet und vom Leben geschenkt bekommen, Räucherwerk, Mantren und lebendige „erdige“ Musik, Trommeln und Tanz… eben ein Weihefest.

Eine gute Puja ist als Einladung an das Göttliche zu betrachten, in all seinen Erscheinungsformen… im Menschen, in der Natur, Tier-, Pflanzen- und Elementarwelt. Deshalb sollte sie mit entsprechender Innigkeit und ‚Gastfreundschaft‘ abgehalten werden.

Was sagen europäische Pujapraktizierende mit einem ansehnlichen Erfahrungsschatz zu dieser Thematik?

Ich zitiere hier den bekannten Ethnologen und Autoren Wolf-Dieter Storl…

„… Eine Puja ist eine archaische, schamanische ‚Technik‘, die einen sakralen Raum schafft, in dem sich die Seele der Natur manifestieren kann. Es ist eine feierliche Handlung, die es den Menschen ermöglicht, sich den tieferen Dimensionen des Seins zu öffnen, nämlich den Wesen, welche die ‚nicht alltägliche Wirklichkeit‘ bevölkern: den Naturgeistern, den Devas der Pflanzen und Tiere, den Ahnengeistern und Gottheiten. … Puja hilft den Menschen, diese Wesenheiten zu spüren, sie zu erleben und vielleicht sogar zu ‚sehen‘. Puja tut nicht nur dem Menschen gut; das Ritual ist auch ‚Nahrung‘ und Stärkung für die Natur und ein Segen für das Land. …“

Weiters…

„ … Puja-ähnliche, schamanische Rituale gehören nicht nur den Hindus oder außereuropäischen Naturvölkern. Einst gehörten sie auch zu unserer eigenen indigenen Kultur, zur Kultur der Kelten, Germanen, Slawen und anderen früheuropäischen Völkern. …“

„… Es gibt einfache, spontane Pujas und solche, die unglaublich kompliziert, aufwendig oder zeitintensiv sind. …“

„… Als Völkerkundler […] habe ich erkennen können, dass derartige Rituale in ihren Grundzügen universal sind, also in irgendeiner Ausprägung in praktisch jeder kulturellen Tradition vorhanden sind. …“

„… Während die Inder vor allem den Blick nach innen werfen und die Gottheiten, die in den Tiefen der Seele wohnen, herbeirufen, richten die Indianer ihre Rituale mehr an die Götter und Geistwesen, welche den Sternenhimmel, die Wolken, die Wälder, Berge und Seen bewohnen. …“

„… Die Art und Weise, wie man eine Puja zelebriert, ist offen – ähnlich wie die Musik der indischen Ragas oder wie gut improvisierter Jazz. Hauptsache ist, dass die Puja wirkt, dass sie die Seelen lockert, sie aus ihren Alltagsroutinen hebt […].“

„… Es muss einen echten Grund geben, um ein solches Ritual durchzuführen. Man führt keine Puja aus bloßer Neugierde durch, auch nicht aus wissenschaftlicher Neugierde, auch nicht zur Unterhaltung oder als Show und schon gar nicht aus egoistischen Gründen […]“

 

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